PR-Beratung: Kluge Fragesteller gesucht

Rund 40.000 Fragen hat ein Kind bereits im zarten Alter von drei Jahren gestellt, so eine Untersuchung der Harvard Universität. Leider geht diese wichtige Fähigkeit mit zunehmenden Alter verloren. Thorsten Giersch widmet sich im Handelsblatt anschaulich und lustvoll der „Kunst des klugen Fragens“. Wer Innovation fördern und seine Neugier erhalten will, muss immer den Reset-Knopf parat haben und sein gewachsenes und gehärtetes Mindset auf Anfang stellen. Angeblich leben wir in einer entwickelten Feedback-Kultur, doch viele Mitarbeiter stöhnen in ihren Jahresgesprächen unter falsch gestellten Fragen, die entweder zu großspurig („Was sind Ihre Ziele in unserem Unternehmen?“) oder zu kleinteilig („Wie können wir diesen oder jenen Prozess verbessern?“) angelegt sind.

Auch in der PR-Beratung treten häufig Situationen auf, in denen von uns vorschnelle Antworten abverlangt werden. Nachdenkzeit? Fehlanzeige! Wer souverän wirken will, muss sofort und in Echtzeit die richtige Lösung bieten, denn Zeit ist Geld und Beratung ist teuer. Wer Informationen und Probleme zu langsam verarbeitet, verliert zudem sehr schnell seinen Expertenstatus. Denn ungeduldige Auftraggeber und Vorgesetzte erwarten immer häufiger, dass selbst komplexe Herausforderungen im Vorbeigehen gelöst werden und im Idealfall einfache Rezepte geliefert werden, die zeitnah und kostengünstig umgesetzt werden können.

Vor dem Hintergrund von Social Media wir in der PR-Diskussion seit einigen Jahren gebetsmühlenartig von einem gewandelten Selbstverständnis der PR-Leute gesprochen. Waren wir früher die fröhlichen Verkünder, sind wir heute die geduldigen Zuhörer. Wer mit der Geduld noch nicht soweit ist, wird das dann gerne auch als normativer Auftrag mit auf dem Weg gegeben. Übertragen wir die Kunst des Stellens kluger Fragen auf Beratungsprozesse, ergeben sich viele neue Möglichkeiten aus dem Dilemma zwischen hyperaktiver Markschreierei und hyperpassivem Wortgenuss rauszukommen. Denn oftmals führen sie nur in die Falle, entweder als Besserwisser oder als Leisetreter und Weichspüler aufzutreten.

Effektive Grundsatzfragen nach dem „Warum tun wir das eigentlich?“, oder „Gibt es Alternativen, die wir in Betracht ziehen müssen?“ helfen in der PR-Beratung, schwierige Situationen besser und sicherer zu bewältigen, weil Lösungen und Lösungsalternativen durchdacht werden können sowie Denkblockaden und Erfahrungsmuster eher durchbrochen werden. Letztlich ist es wie beim Handwerker, der mit seiner 20-jährigen Erfahrung wirbt. Doch hat er wirklich 20 Jahre lang neue Erfahrungen gesammelt oder hat 20 Jahre lang jedes Jahr dieselbe Erfahrung gemacht?

Klar ist, dass man nicht immer auf Gegenliebe stößt, wenn man zu viele kritische Fragen stellt. Aber vorschnelle Antworten ohne Fundament und Basis sind gerade in Krisensituationen noch riskanter. Das Gehirn ruht sich gerne aus und sucht Entlastung. Überlisten wir unsere bequemen Routinen durch kluge Fragen. Der Handelsblatt-Autor Thorsten Giersch nennt das Beispiel von Steve Jobs. Dieser sei ein Fan des buddhistischen Prinzips des „Shoshin“ gewesen, des „Geist des Anfängers“, der in der Lage ist, fundamentale Fragen zu stellen. Gerade wir gestressten PR-Leute müssten regelmäßig die nötige Muße suchen, um Inspiration für diese klugen Fragen zu erhalten.

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