Panzer Relations: Deutscher Rat für Public Relations versus Zentrum für politische Schönheit

Die Kampagne schlägt hohe Wellen: Anlässlich des Panzerhandels mit Saudi-Arabien hat das Zentrum für politische Schönheit (ZPS) bekanntermaßen eine Kampagne gegen den Waffenkonzern Kraus-Maffei Wegmann (KMW) gestartet. Das Zentrum winkt auf einer eigens eingerichteten Kampagnenseite mit 25.000 Euro Belohnung, die zu Strafanzeigen gegen die Eigentümer des Unternehmens führen. Die Begründung laut Philipp Ruch, Sprecher der Initiative: “Diese Personen verdienen ihr Geld mit dem Verkauf von schweren Kriegspanzern an autoritäre Regime und gehören ins Gefängnis – dafür werden wir jetzt mit Hilfe der Zivilgesellschaft sorgen.” Die Kampagne schlägt hohe Wellen. Rechtsanwälte prüfen intensiv, ob mit der Kampagne Persönlichkeitsrechte der „öffentlich Gesuchten“ beeinträchtigt werden, bislang ohne größere Erfolge.

Kampagnenseite des Zentrums für politische Schönheit (ZPS)

Beim Deutschen Rat für Public Relations (DRPR) liegt nun ein Beschwerdeantrag vor, die 25.000-Euro-Kampagne öffentlich zu rügen. Mit einem Fragebrief hat sich der DRPR jetzt an das ZPS gewandt, um den Sachverhalt aufzuklären. Dieser wurde flux auf der ZPS-Facebook-Seite veröffentlicht. Darin begründet der DRPR das Verfahren damit, dass die Initiative möglicherweise gegen Grundsätze ethischer Kampagnenführung sowie gegen die Berufskodizes (Code d’Athène und Code de Lisbonne) verstoßen hat. Zudem ist nicht auszuschließen, das grundrechtlich garantierte Persönlichkeitsrechte angegriffen werden. Folgende Fragen wurden von Seiten des DRPR an das Zentrum gestellt:

1. Woher haben Sie Ihre Informationen über die von Ihnen in den „Steckbriefen“ aufgeführten Personen bezogen? Welche Quellen standen Ihnen zur Verfügung? Wie gesichert schätzen Sie die daraus gewonnenen Informationen ein, auf deren Grundlage die „Steckbriefe“ entstanden?

2. Können Sie bestätigen, dass die Kampagne „25.000 Euro“ dazu dient(e), auf politische Forderungen öffentlich aufmerksam zu machen, u.a. Rüstungsexportverbot, restriktives Rüstungsexportgesetz?

 3. Auf ihrer Kampagnen-Webseite http://www.25000-euro.de/ berufen Sie sich auf die „Kunstfreiheit“ (Art. 5 Abs. 3 GG). Was macht Ihre Kampagne, deren Ausgangspunkt konkrete politische Forderungen sind, zu einer Kunstaktion bzw. woraus leiten Sie den Anspruch auf das Grundrecht der Kunstfreiheit ab? Sehen Sie in diesem Zusammenhang Besonderheiten Ihrer Kampagne im Vergleich zu anderen politisch motivierten Kampagnen, denen letztlich häufig eine schöpferische Leistung bzw. eine kreative Idee zugrunde liegt?

 4. Können Sie ausschließen, dass folgende Aussagen auf Ihrer Webseite als Versuch der Denunziation und gesellschaftlichen Ächtung von Einzelpersonen verstanden werden könnten?: „Jetzt können Sie einen Beitrag leisten: hängen Sie eines oder mehrere der folgenden Plakate auf und warnen Sie Ihre Mitmenschen vor diesen Personen.“; „Falls Sie in Würzburg, Hannover oder Fürstenfeldbruck wohnen, bitten wir Sie, die Fahndungsplakate der beiden auszudrucken und an zentralen Plätzen auszuhängen, damit weitere Menschen in ihrer Umgebung gewarnt sind.“

 5. Laut PR-Magazin 07/2012 („Einfach überrollt“) haben Sie angegeben, dass beim ZPS auch Personen aus „großen Agenturen“ aktiv sind. Können Sie bestätigen, dass diese Personen auch an der Kampagne „25.000 Euro“ mitgewirkt haben?

 6. Wie wird/wurde die Kampagne „25.000 Euro“ finanziert? Wer sind/waren die Geldgeber?

Das Schlachtfeld ist mit hoher Erregungsintensität eröffnet. Das Zentrum lud seine Facebook-Community ein, gemeinsam einen Antwortbrief an den DRPR zu texten. So sieht der Bearbeitungsstand aktuell aus: http://pad.telecomix.org/sogtutag. Dem Rat wird jegliche Kompetenz abgesprochen, sich mit der als Kunstaktion deklarierten Kampagne zu beschäftigen. Es wird zudem gemutmaßt, dass hinter dem Beschwerdeantrag Krauss-Maffei Wegmann selbst steht. Und eine besondere Stilblüte wartet ebenfalls: Aus Public Relations wurde im Anschreiben recht kunstvoll „Panzer Relations“ gemacht. Wortgewandt sind also die Kampagnenunterstützer. Auf Facebook werden Mitglieder des DRPR scharf diskutiert und angegriffen.

Das Thema wird uns noch lange beschäftigen, denn der DRPR hat sich hier einen äußerst kommunikationsfreudigen Gegner ausgesucht, der sich natürlich mit Vergnügen auf das Thema stürzen wird. Dabei ist klar: Die gewünschten Fragen werden mit Sicherheit satirisch beantwortet werden und der DRPR wird sich folglich ein eigenes Bild des komplexen Problems machen müssen. Man darf vor allem gespannt sein, ob der DRPR sich als so findig erweist, das völlig verminte Gelände zwischen Kunst und Kampagne halbwegs unbefleckt zu durchschreiten. Da warten eine Menge Fettnäpfchen, die in dem Schreiben des DRPR aufgemacht wurden und bei denen nun echter Kunstsinn gefragt sein dürfte. Allerdings ist die Grundfrage berechtigt. Haben wir es mit Denunziation zu tun oder nicht? Für Hoffmann von Fallersleben galt noch im 19. Jahrhundert: „Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant.“ Die Zeiten jedoch haben sich geändert. Die Sensibilisierung für persönliche Verantwortung ist größer geworden. Und gerade im Bereich des internationalen Waffenhandels ist bei einem Unternehmen mit derartiger Eigentümerstruktur die Kluft zwischen individueller und gesellschaftlicher Verantwortung sowie unternehmerischen Handeln nur sehr schwer zu schließen. Das könnte der DRPR auch noch zu spüren bekommen, wenn die beschwerdeführende Partei tatsächlich etwas mit KMW zu tun haben sollte.