Generation Praktikum in der PR: Wann hört das endlich auf?

Mir schmerzt das Herz, als PR-Mensch – und als Franke. 1829 wurde Levi Strauss in Buttenheim bei Hirschaid als Kind jüdischer Eltern geboren. Er wusste, was Armut bedeutet, war sein Vater doch ein mittelloser Hausierer, der frühzeitig an Tuberkulose starb. Erst als Levi Strauss mit seiner Familie 1847 den ältesten Brüdern nach New York folgte und später nach San Francisco zog, um für die kalifornischen Goldsucher Hosen zu nähen, besserte sich allmählich seine Situation und der berufliche Erfolg stellte sich alsbald ein. Aktuell macht Levi Strauss & Co einen Umsatz von weit mehr als vier Milliarden US-Dollar. Grund genug, sich über folgende PR-Stellenanzeige der deutschen Levi Strauss Germany GmbH mit Sitz in Frankfurt/M. zu ärgern.

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Gesucht wird also für sechs Monate ein „Praktikant Public Relations“, der nicht nur für die Konzeption von PR-Maßnahmen verantwortlich sein soll, sondern Presseanfragen beantworten und Celebrity-PR konzipieren und umsetzen soll. Nach Möglichkeit sollte es sich dabei um eine/n „Student/in eines Kommunikations-, Marketing-, Mode- oder Geisteswissenschaftlichen Studiengangs mit Schwerpunkt Kommunikation“ handeln, der oder die „bereits erste PR-Erfahrung durch vorangegangene Praktika“ gesammelt hat.

Liebe Levis-Leute, hallowach? Alle da und aufmerksam bei der Arbeit? Prima, dann sollte auch auffallen, dass die job description mit diesem Maß an konzeptioneller Verantwortung möglicherweise etwas überborden ist. Vielmehr klingt es für mich nach einem Praktikum, das nicht mehr ist, als die Suche nach einem PR-Mädchen oder PR-Jungen für alles, worauf die anderen Kollegen keinen Bock oder wahlweise keine Zeit haben. Wie ich darauf komme? Ich glaube nicht, dass Studierende derartig verantwortungsvolle Jobs machen sollten. Und ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass es bei euch soweit kommt und ihr wirklich Studis auf eure Promis loslasst. Es klingt eher nach einem Trigger, um überhaupt Interesse zu wecken.

Euch sollte zudem bekannt sein, dass die Generation Praktikum ziemlich out ist. Woraus ich schließe, dass ihr die Diskussion verschlafen habt? Nun, ein Praktikum, für dessen Bewerbung die erfolgreiche Absolvierung vorausgegangener Praktika Entscheidungskriterium ist, dürfte nur schwerlich falsch interpretierbar sein. Das ist Generation Praktikum in Reinkultur und ich frage mich tatsächlich, ob Levi Strauss eure Stellenanzeige gefallen hätte.

Als Hüter des Markenschatzes „Levi’s“ habt ihr vielleicht bessere Informationen. Aber ich entnehme seiner Biographie, dass ihm soziales Engagement wichtig war, wohl auch vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Not seiner Kindheit. Warum also das Thema nicht aufnehmen und in der Firmenkultur auch gegenüber den Mitarbeitern verankern? Zu überlegen wäre beispielsweise ein wertvolles Traineeship, um wirklich etwas für die Qualifikation des Levi’s-Nachwuchses zu tun. Ich glaube, das würde auch ziemlich gut zum Markenkern von Levi’s und auch zu den Preisen für Levi’s-Jeans passen. Jetzt werdet ihr wahrscheinlich sagen, das Praktikum ist doch bezahlt. Ich frage natürlich nicht nach, wie die sechs Monate vergütet werden, aber hinter der Vergütung sollte man sich nicht verstecken, es ist das Mindeste. Aber ist das Mindeste auch gut genug für eine so prominente Weltmarke? Übrigens trage ich heute auch eine Levi’s – allerdings mit keinem besonders guten Gefühl, wie ich zugeben muss – als PR-Mensch und als Franke. Die Buttenheimer sind sehr stolz auf ihr schönes und preisgekröntes Levi-Strauss-Museum. Ich finde, das sollte so bleiben. Ein gutes employer branding wäre dafür ein ziemlich überzeugendes Argument.